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20.11.2008 10:01 Uhr Alter: 3 Jahre

Schweitzer zur Sache…: Hat die Finanzkrise Auswirkungen auf die Südpfalz?

 

Am 05.11. diskutierte der Landtagsabgeordnete Alexander Schweitzer mit sieben Experten in der VR-Bank SÜW Annweiler zum Thema Finanzkrise und die Auswirkungen auf die Südpfalz.

Allgemeiner Tenor der Teilnehmer der Podiumsdiskussion: Die Situation in der Südpfalz ist nicht akut gefährdet, dennoch müssen Chancen und Angebote der Regierung genutzt werden um die Konjunktur aufrecht zu erhalten.

Unter anderem erläuterte der pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel seine Sichtweise und Einschätzung der Finanzkrise: „Die Finanzkrise kam überraschend nach Deutschland.“ Schnell stellte sich heraus, dass eine „systemische Krise“ folgen würde und nach dem Fall einer großen Bank, wie Lehmann Brothers, viele kleine Banken folgen würden. Ohne Hilfe des Staates könnten sich angeschlagene Banken allerdings nicht erholen. Der Finanzminister lobte das schnelle Handeln der Regierung und freute sich über das Bankenhilfsgesetz als „das schnellste Gesetz“. Ihm sei aber auch wichtig, dass das Hilfspaket nicht mit Steuergeldern finanziert werde sondern die betroffenen Banken ihre beanspruchte Hilfe wieder zurückzahlten. Alles in allem sei die Grundsituation der deutschen Wirtschaft solide.

Die Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse SÜW Landau, Horst Hoffman, und der VR-Bank SÜW, Ludwig Merkel, sehen keine Gefahr für ihre Bankkunden. Dank des deutschen 3-Säulensystems (Privatbanken, Genossenschaftsinstitute, Sparkassen) seien sowohl die Sparkassen als auch die regional tätige VR-Bank sicher. Auch die Kunden reagierten bisher besonnen, so Hoffmann.

Die Gäste aus Handwerk und Industrie fürchten für die Südpfalz keine schlimme Rezession. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südpfalz, Klaus Seiferlein, erläuterte: „Die Handwerker stellen die Basis der Wirtschaft dar.“ Ein Wirtschaftsabschwung würde sie nicht so stark treffen. Zudem florieren im Handwerk Bereiche wie Wärmedämmung und Gebäudesanierung aufgrund gestiegener Energiepreise. Jürgen Vogel Geschäftsführer der IHK Pfalz sieht die Krise auch positiv – nämlich als Dämpfer für die steigenden Rohstoffpreise. Dennoch sei die Situation der in der Südpfalz zahlreich vertretenen Export-Unternehmen schwierig. Inhaber des Autohauses Weis Albersweiler, Harald Weis, sprach sich für eine Lohnerhöhung von acht Prozent aus, damit die Leute wieder Autos kaufen können.

Der Betriebsratsvorsitzende des Daimler Werks Wörth Uli Edelmann berichtete, dass im Werk Wörth die Produktion erstmals seit 2003 wieder auf Normallevel fährt. Für die feste Belegschaft bedeutet dies, dass Samstagsschichten weg fallen und wieder eine normale 35 Stundenwoche eingeführt wird. Die Situation der Leiharbeiter sehe allerdings nicht sehr gut aus. Seiner Meinung nach findet die Krise „in den Geldbeuteln“ der Leute statt. Bei einer höheren Lohnzahlung würden die Menschen auch wieder mehr Geld ausgeben und die Wirtschaft ankurbeln.

Im Anschluss an die Statements der Experten beteiligte sich eine Vielzahl der ca. 60 Besucher an der offenen Diskussion.

Der Finanzminister erläuterte auf die Frage welchen Anspruch er an die Banken stelle um solche Risiken zu minimieren: Die Ansprüche an die Rendite müssen heruntergefahren werden, um ein überschaubares Risiko behalten zu können. Zudem müsse über ein neues Modell von Rating-Agenturen nachgedacht werden. Er schlug Rating-Agenturen in Form von „Non-Profit-Organisationen“ vor. Vom Publikum wurde ausserdem gefragt warum es überhaupt möglich war große Geldsummen bei sogenannten „Zockerbanken“ anzulegen. Ingolf Deubel sieht den Fehler nicht bei den Geldanlegern, die bei großen Banken investieren. Denn nur dadurch könne das Risiko gestreut werden. Der Fehler sei eine unzureichende Beobachtung des Marktes gewesen. „Eine absolute Sicherheit bei Geldanlagen gibt es nicht.“ Der Bürgermeister von Annweiler Thomas Wollenweber ließ sich vom Finanzminister versichern, dass eine nicht allzu große Belastung auf die Kommunen zukomme.

Ein allgemeines Fazit fiel optimistisch aus. Der Finanzminister und die Geschäftsführer der Banken sprachen sich für mehr Transparenz auf dem internationalen Finanzmarkt aus und wünschten sich ein langfristigeres Denken. Industrie und Handwerk in der Südpfalz erwarten ein Nullwachstum für das nächste Jahr, danach würde es wieder aufwärts gehen.

Der Gastgeber des Abends Alexander Schweitzer sprach sich abschließend für mehr Zukunftsoptimismus aus und lobte die Lebensqualität in der Südpfalz, die trotz Finanzkrise bestehe: „Wir in der Südpfalz müssen uns im Klaren sein, was wir Wert sind.“

 

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